Digitale Bildung / Digitale Erziehung

Mehr Schaden als Nutzen?

Lesezeit: ca. 10 min / darüber nachdenken: jedem selbst überlassen

Bei der ganzen Digitalisierung wird immer (fast) nur von den positiven Aspekten geredet. Wenn einmal etwas Negatives berichtet wird geschieht das nur am Rand, ohne näher darauf einzugehen. Obwohl gerade bei der Digitalisierung sollte man sich die Schattenseiten etwas genauer anschauen, vor allem bei der kindlichen Entwicklung.

In meinem Beitrag (unfehlbare) Wissenschaft habe ich versucht zu zeigen, dass sich Wissenschaflter irren können oder leider auch bewußt falsche Dinge behaupten. Bei dem Einsatz von digitalen Geräten, besonders bei Kindern, sollte man deshalb sich die Argumente der Befürworter genauso ansehen wie die Argumente derjenigen, die vor einem übertriebenen Einsatz warnen.

Wie verhalte ich mich?

Wir können uns bei diesem Thema auch sehr gut selbst und auch unsere Umwelt dabei beobachten wie wir mit der Digitalisierung umgehen. Welchen Einfluß digitaler Konsum auf mich selbst hat und wie verhalten sich meine Freunde und Bekannten? Werde ich schon nervös wenn ich ohne Smarphone das Haus verlasse? Muss ich alle paar Minuten gucken, ob ich eine Nachricht bekommen habe? Ist morgens nach dem aufwachen, mein erster Griff zum Smarphone?

Der Autoclub „Mobil in Deutschland“ schätzt, dass es jährlich bis zu 500 Tote am Steuer gibt. Diese Toten sind die offentsichtlichen Schäden. Aber wie es genau sieht es mit den Schäden aus, die auch im Gehirn von Erwachsenen entstehen, aber besonders bei Kindern? Und dem daraus resultierenden Verhalten?

Eltern – Kind

Ich habe es schon auf einem Kinderspielplatz erlebt, wie ein ca. 4 jähriges Mädchen zur Mutter gerannt kam und 5 mal „Mama“ sagen musste, bevor Mama von ihrem Smartphone hochgeschaut hat. In Bus oder Bahn sieht man oft Eltern, die die ganze Zeit auf ihr Smarphone schauen und sich so gut wie gar nicht mit ihren Kindern beschäftigen. Dieses Verhalten wird heutzutage als normal angesehen. Welchen Einfluss hat das auf unsere Kinder und somit auf unsere Gesellschaft?

Manfred Spitzer

In den Medien hört und liest man immer, dass wir unseren Kindern schon möglichst früh den Zugang zu digitalen Medien ermöglichen sollen (Stichwort Digitalpakt). Es wird uns immer erzählt wie gut das für die Entwicklung der Kinder sei.

Aber der Psychater und Neurowissenschaftler Manfred Spitzer zeigt in seinen Vorträgen und Büchern die Schattenseiten der Digitalisierung, besonders bei Kindern. Ich habe das unten folgende Video verlinkt, da er dort viele seiner Thesen vorstellt die zeigen, wie Digitalisierung bei Kindern schadet. (Es gibt viele weitere kritische Stimmen, man muß sich die „Mühe“ machen und sie suchen).

Wenn man sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt hat, sind viele Sachen neu. Deshalb empfiehlt es sich vielleicht, den Vortrag in mehreren Etappen anzuschauen und zwischendurch über das Gehörte nachzudenken.

Dann kann man sich überlegen, ob man z.B. den Ausspruch „ein Smarphone auf dem Tisch macht aus einem Abiturenten einen Realschüler“, zustimmt oder als übertrieben ansieht.

Unter dem Video habe ich einige Punkte des Vortrages mit Zeitangaben versehen, so dass man sich einzelne Punkte schnell mal rauspicken kann.

Steve Jobs, Bill Gates & Co.

Steve Jobs antwortete auf die Frage einer New York Times Reporterin, „dass seine Kinder das iPad lieben, oder?“ überraschender Weise: „Sie haben es noch nicht verwendet. Wir schränken die Zeit, die unsere Kinder zu Hause mit Technologie verbringen ein.“

Und Bill Gates erzählte, dass seine Kinder bis zum 14. Lebensjahr keine Handys hatten. Und das auch heute noch beim gemeinsamen Essen Handys am Tisch verboten ist.

Auch wird gesagt, das viele Angestellte im Silicon Valley von Google, Apple, ebay uvm. ihre Kinder auf Waldorfschulen schicken, wo keine Computer benutzt werden. Denn sie wissen, dass Kinder in der Schule zuerst einmal Lesen, Malen, Basteln und Schreiben lernen sollen. Denn nur so können Kinder die Welt sinnlich begreifen.

Kinderärzte

„Bei Kindern, die viel vor Bildschirmen sitzen, werden Phänomene von geistiger Zerstreutheit beschrieben. Außerdem lernen sie schlechter. Je kleiner die Kinder, desto schädlicher sind diese Geräte. Unsere Datenbanken sind voll mit solchen Studien.“ Kinderarzt Hugo Lagercrantz

Und auch der Präsident der Kinderärzte Thomas Fischbach hat sich dafür ausgesprochen Kindern erst ab 11 Jahren ein Handy zu geben.

Schaut man sich das folgende Bild an, sieht man den negativen Einfluss von unterschiedlich langem Fernsehkonsum auf Kinder. Man sieht deutlich wie die geistige Entwicklung bei Kindern gehemmt wird. Und wenn auch noch Smartphone und Tablet hinzukommen, wird es wohl noch schlimmer. (Auf dieses Bild geht M.Spitzer in dem Video bei 43:40 ein)

Obere Reihe: Kinder die täglich bis zu einer Stunde fernsehen
Untere Reihe: Kinder die täglich mindestens drei Stunden fernsehen

Gefahr

“Auf einer Gefahrenskala zwischen Süßigkeiten und Kokain ist der Handybildschirm näher an Kokain.”

Das hört sich sicherlich provokativ an. Hier ist der dazu gehörige Artikel, der sowohl den Befürwortern als auch den Gegner der Handynutzung bei Kindern Raum gibt und zum eigenen Nachdenken Anregungen gibt.

Nun nach der langen Einleitung das angekündigte Video:

  • 00:07:45 körperliche Schädigungen
  • 00:09:40 Kurzsichtigkeit
  • 00:19:09 Schlafstörungen
  • 00:24:45 psychische Probleme
  • 00:24:50 Sucht
  • 00:28:39 Angst und Depressionen
  • 00:32:15 Facebook — Depressionen
  • 00:37:05 weniger Empathie / weniger Mitgefühl
  • 00:41:22 Bildung; kognitive Entwicklung
  • 00:44:40 Grundschulalter
  • 00:46:00 Smartphone – Gedächtnisleistung
  • 00:48:38 weniger Lernen
  • 01:07:37 weniger Wissen
  • 01:19:29 digitale Demenz
  • 01:23:20 Radikalisierung der Welt / Gefährdung der Demokratie

Da in diesem Video sehr viele Studien angesprochen werden und somit eine Fülle von Informationen in kurzer Zeit verabreicht werden ist es vielleicht schwierig allem genau zu folgen. Da kann man auf das Buch von M.Spitzer „Cyberkrank“ zurückgreifen, wo diese Studien noch viel genauer beschrieben werden und wo auch alle Quellen angegeben sind.

„Digitale Verdummung“

Hier ist ein weiterer Artikel der aufzeigt, was die Digitaliserung mit uns und mit unseren Kindern macht uns somit auch unserer Gesellschaft Schaden zufügt. Wie es zu einer Entmenschlichung kommt, wie „das Kind nicht zur Reife einer selbstbestimmten Mündigkeit geführt wird, sondern durch digitale Programme maschinell abgerichtet wird“.

Weitere Zwischenüberschriften in diesem Artikel sind „Irreversible Schädigungen des Gehirns“, „Besseres Lernen?“ und „Die Rolle der Politik“. (Die Lesezeit dieses Artikels beträgt ca. 15min)

Fazit

Ich bin der Meinung das das Thema Digitalisierung und dabei besonders der Einfluss auf unsere Kinder, ein ganz besonders wichtiges Thema ist. Jeder, besonders aber Eltern, sollte(n) sich damit einmal ausgiebig damit auseinander setzen. Auch wenn viele sagen dafür habe ich keine Zeit. Nehmen Sie sich bitte diese Zeit!

Wenn man sich anhört was ein Hirnforscher wie M.Spitzer dazu zu sagen hat, wie S. Jobs und B. Gates damit umgehen, was Kinderärzte sagen und wenn wir aufmerksam uns und unsere Kinder beobachten, können wir einiges an negativen Auswirkungen verhindern.

Und diejenigen die sich für eine möglichst frühe Digitalisierung der Kinder stark machen sind genau die, die davon finanziell profitieren: Telekkommunikationsunternehmen, PC-, Laptop- und Tablethersteller, Software- und App Anbieter. Sie wollen nur Profit machen, das Wohlergehen der Menschen ist dabei nebensächlich.

Nutze-Deinen-Kopf / Laß nicht Andere für Dich denken

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