I. Die Grundrechte

Artikel 1
[Menschenwürde – Menschenrechte – Rechtsverbindlichkeit der Grundrechte]

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt.
(2) Das deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtssprechung als unmittelbar geltendes
Recht.

Natürlich kannte ich Artikel 1 unseres Grundgesetzes. Er hörte sich für mich bisher zwar gut an, aber eigentlich war es eine Selbstverständlichkeit.
Heute nach ein paar Tagen Maskenpflicht fühle ich mich zum ersten Mal in meinem Leben in meiner Würde verletzt.

Ich wollte heute Mittag etwas einkaufen gehen aber ich habe es nicht fertig gebracht mir meine Maske anzuziehen und in ein Lebensmittelgeschäft zu gehen. Ich habe mir nur bei einer Bäckerei, die ein Fenster zum Straßenverkauf hat, ohne Maske ein paar Brötchen gekauft.

Meine Frau hat am Anfang der Corona-Aufgeregtheit viele Masken für Familie und Freunde genäht und ich habe ihr zu Liebe auch schon ein paar Mal beim Einkaufen eine Maske aufgezogen.
Wenn jemand sich eine Maske anziehen möchte dann kann er das selbstverständlich machen. Aber es kann nicht sein, dass wir gezwungen werden unser Gesicht zu verhüllen. Ich möchte meine Mitmenschen ins ganze Gesicht schauen und ich möchte das meine Mitmenschen mein ganzes Gesicht sehen können.

Ich kann es nachvollziehen wenn einige (oder auch viele) darin keine Verletzung der Menschenwürde sehen:

  • Wenn ein Mensch im Sterben liegt und er muss alleine sterben weil seine Angehörigen ihn nicht besuchen dürfen ist das bestimmt eine größere Verletzung seiner Würde.
  • Wenn ein Mensch, der bisher seinen Lebensunterhalt alleine bestreiten konnte, nun bei irgendwelchen Ämtern um Almosen betteln muss, ist auch das bestimmt eine größere Verletzung seiner Würde.
  • Wenn ein Mensch der nicht mehr ein und aus weiss weil ihm durch die Corona-Aufgeregtheit alles genommen wurde Selbstmord begeht, dessen Würde ist unwiderruflich verletzt.

nutze deinen Kopf / Laß nicht Andere für Dich denken

4 Gedanken zu „I. Die Grundrechte“

  1. Das Schlimmste am Artikel 1 ist die ständige Verletzung vom Art 1.3
    Darin steht das Wort “bindet”.
    Die Rechtsprechung fühlt sich aber trotz ihres Amtseides (§38 DRiG?) ausdrücklich auf das GG nicht die Bohne daran gebunden, behauptet sogar , sowas wäre eine Beeinträchtigung ihres richterlichen Ermessens-Spielraumes der angeblich im GG steht. Sowas steht dort aber nirgends! (Schriftstück mit so einem Textbaustein kann ich hier reinsetzen)

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  2. Hallo Norbert!

    Auch wenn ich die Idee des Beitrages teile, denke ich, dass der Begriff der Würde des Menschen sich nicht mit Gesetzen definieren lässt. Denn um die eigene Würde zu erkennen braucht es kein Gesetz, aber die Nutzung des eigenen Kopfes. Ganz so, wie sich diese Seite nennt.

    Was im Grundgesetz steht, ist reine Makulatur. Die Menschenwürde wird nicht per Gesetz verliehen oder entzogen. Jeder Mensch wird mit ihr geboren. Jeder Mensch kann seine eigene Würde erkennen und schützen.

    In dem Wörtchen Würde versteckt sich das Wort »Wert«. Kein Mensch hat aber das Recht, den Wert eines anderen Menschen zu schätzen oder festzulegen. Dies bedeutet, dass nur jeder Mensch für sich diese Einschätzung treffen kann. Das heißt, sich selbst als Mensch zu erkennen und zu bestimmen, welchen Sinn er seinem Leben geben möchte. Das alles setzt einen Erkenntnisprozess voraus – von der Individualität über Identitäten bis zur Würde.

    Deine Würde kann Dir niemand nehmen oder verletzen. Was Dir jemand nehmen kann, sind Freiheit und das Leben. Anderen Menschen den eigenen Lebenssinn, den eigenen Willen oder die eigenen Interessen aufzuzwingen oder aufzwingen zu wollen ist würdelos/würdeverletzend. Dabei wird nicht die Würde des anderen verletzt, sondern die eigene. Denn das Erkennen der eigenen Würde ist gleichzeitig das Anerkennen anderer Menschen als gleichwürdig. Dementsprechend wird ein würdevoller Mensch seine Mitmenschen nicht unterdrücken, ausbeuten, quälen oder morden. Gleichwürdigkeit ist nicht gleich Gleichheit.

    Um es verständlicher zu machen: Der Sklave verliert seine Würde nicht, wenn er gewalttätig versklavt wird. Eine vergewaltigte Frau verliert ihre Würde nicht. Ein armer Mensch, der vom Arbeitsamt sanktioniert wird behält trotzdem seine Würde. Auch ein Mensch, der für Einkommen arbeiten muss und sich deshalb stundenweise vermietet (Arbeitsvertrag) und gleichzeitig für diese Zeit sein Recht auf Freiheit zugunsten von Weisungsbefugnis oder Befehlsgewalt abtritt, verliert seine Würde nicht. Wer sich würdelos verhält sind der Sklavenbesitzer, die Vergewaltiger, die Mitarbeiter vom Amt, die »Arbeitgeber« oder Befehlenden. Alle nehmen ihren Mitmenschen ihre Freiheit. (Freiheit ist nichts weiter als das Menschenrecht auf ein würdevolles, selbstbestimmtes Leben.)

    Wenn wir jetzt gemeinsam auf die letzten drei Punkte des Blogbeitrages schauen, ergibt sich ein leicht verändertes Bild.
    Der sterbende Mensch, welcher nicht besucht werden darf, behält natürlich seine Würde. Was verletzt wurde ist, sein Recht auf Freiheit. Das taten würdelos handelnde Menschen.
    Der zu Almosen gezwungene Mensch behält ebenfalls seine volle Würde. Verantwortlich sind würdelos handelnde Menschen.
    Wenn ein Mensch sich tatsächlich wegen der, von würdelos handelnden Menschen, erzeugten Corona-Aufgeregtheit, selbst richtet, verliert er dadurch sein Leben nicht seine Würde.

    Dies soll jetzt keine pauschale Schuldzuweisung an würdelos handelnde Menschen darstellen. Weil ich vermute, dass viele von ihnen oft im guten Glauben/Willen agieren. Nur reicht der gute Glaube/Wille allein nicht aus, menschlich und würdevoll zu handeln.

    Ich hoffe, es wird mir nicht übel genommen, dass der Beitrag so lang ausfiel. Dabei ist das meiste noch ungesagt geblieben. Ich meine, es ist an der Zeit, auch das Denken wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen und tatsächlich den eigenen Kopf zu nutzen.

    In diesem Sinne

    Kopf hoch, nicht die Hände!

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    • Hallo Carlo,
      erst einmal sorry für die späte Antwort und Freigabe; kam leider so aus.
      Vielen Dank für die ausführliche und bestimmt nicht zu lange Anwort. Ich finde dort sind viele Anregungen enthalten wo mit ich mich auseinander setzen werde und die mir helfen werden das Thema Würde, worüber ich mir den Großteil meines Lebens keine tieferen Gedanken drüber gemacht habe, besser zu verstehen. Und ich befürchte das das Thema Würde mich und uns (wer sich auch immer mit “uns” angesprochen fühlt) in nächster Zeit noch viel beschäftigen wird.
      Gruß Norbert

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      • Hallo Norbert,

        kein Problem. Ich beschäftige mich seit über 15 Jahren mit Problemen dieser Art. Da kommt es auf eine schnelle Freischaltung nicht an. Wichtig finde ich, dass man darüber spricht. Die Menschenwürde ist neben Worten wie Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Demokratie einer der meistmissbrauchten Begriffe.
        Es ist für Menschen, die in Freiheit leben möchten, sehr wichtig sich selbst und den Sinn ihres eigenen Lebens zu erkennen. Tun sie es nicht, kann jeder Dahergelaufene kommen und ihnen sagen, was sie mit der Zeit zwischen ihrer Geburt und ihrem Tod anzufangen haben. Es lohnt sich also darüber nachzudenken. Das Gute dabei ist, dass man dann auch beginnt nach Lösungen zu suchen, die zuerst menschlich und menschenwürdig sind. Man wird überrascht sein.

        Liebe Grüße
        Carlo

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