Wo ist die Zeit?

Lesezeit ca. 5 min / darüber nachdenken: jedem selbst überlassen

Die Idee für diesen Bericht entstannt nach einem Gespräch mit Kollegen über das Tempolimit von 100km/h was die Niederlande einführen. Einer meinte, dasss ein Tempolimit (https://www.nutze-deinen-kopf.de/gegenueberstellung-tempolimit-impfpflicht/) ja eigentlich nicht schlecht ist, aber, dass z.B. bei einer Fahrt von Duisburg nach Berlin zuviel Zeit verloren ginge.

Da ich schon vor vielen, vielen Jahren gesagt habe, dass man doch seinen Fernseher (Smartphone, Tablett und PC gab es nocht nicht) aus der Wohnung verbannen sollte wenn man sich über zu wenig Zeit beklagt, habe ich mir die Frage gestellt:

Wo ist die Zeit?

(Die folgende Aufzählung ist natürlich sehr unvollständig. Jeder kann sie mit eigenen Beobachtungen für sich erweitern)

früher (was man auch immer genau darunter verstehen mag) musste man für seine Bankgeschäfte zur Bank gehen, sich dort anstellen und nachdem alles erledigt war, konnte man sich wieder nach Hause begeben. Heute macht man Homebanking. Wo ist die gesparrte Zeit?

früher musste man um außerhalb der Wohnung zu telefonieren eine Telefonzelle suchen und eventuell sogar warten bis diese frei wurde. Und dann war es nicht sicher ob man den anderen auch erreichte. So das man es später noch einmal wiederholen musste. Heute hat (fast) jeder ein Handy und wir können ohne suchen und warten anrufen. Wo ist die gesparrte Zeit?

früher hat man seine Mahlzeiten selber zubereitet. Man musste dafür einkaufen (oft an verschiedenen Orten) und sich dann hinstellen und alles zubereiten. Heute gibt es Fertiggerichte und Lieferservice. Wo ist die gesparrte Zeit?

früher hat man sich selber um seine Kinder gekümmert. Heute gibt es Ganztagskindergarten und Ganztagsschule. Wo ist die gesparrte Zeit?

früher ist man um seinen Urlaub zu buchen in ein Reisebüro gegangen wo man auch wieder teilweise lange warten musste um erst einmal dran zu kommen und dann aufwendig etwas aus den vielen Katalogen aussuchen. Heute braucht man auch dafür seine Wohnung nicht verlassen. Man macht es bequem am PC. Wo ist die gesparrte Zeit?

früher gab es noch nicht so viele Maschinen und Hilfsmittel die einem die Arbeit erleichterten. Heute gibt es für (fast) alles Maschinen und die Produktivität ist so weit gestiegen wie man es sich nicht vorstellen konnte. Wo ist die gesparrte Zeit?

Hierzu ein weiterer Gedanke:

nach Einführung der Scannerkassen konnte schneller kassiert werden und da jeder Artikel elektronisch erfasst wurde ging die Nachbestellung auch deutlich schneller. Hat dann einer der Discounter die Arbeitszeit für die Verkäufer gekürzt? Man hätte doch sagen können, da wir eine Zeitersparniss haben, kann jeder Verkäufer jeden Tag 10 min länger bezahlte Pausen machen oder die Wochenarbeitszeit verkürzt sich bei gleichem Lohn um eine Stunde.

Jetzt sagen die Meisten, dass ist ja wohl eine Utopie, wie kann man nur so naiv sein. Aber wenn man sich vor Augen führt, dass die Wirtschaft für den Menschen da zu sein hat und nicht umgekehrt, der Mensch für die Wirtschaft, dann ist es schon nicht mehr so naiv.

Hat schon einer jemals erlebt, dass nach Anschaffung einer neuen Maschine, Software oder sonstigen was die Arbeit erleichtern soll und die Produktivität steigert, die Vorgesetzen gesagt haben: Das geht jetzt ja alles einfacher und schneller, also lass Du es mal etwas ruhiger angehen.

Hört sich vielleicht verrückt an, ist es aber nur, weil wir uns daran gewöhnt haben immer noch mehr zu leisten.

Digitalisierung

Im Zuge der anstehenden Digitalisierung wird immer gesagt das viele Arbeitsplätze wegfallen werden. Die Zahlen schwanken stark, aber gehen wir einmal von 30% aus:

Eine Abteilung hat 10 Mitarbeiter; das bedeutet es werden täglich 80 Stunden geleistet. Jetzt fallen durch die Digitalisierung 30% weg, also 24 Stunden. Warum müssen jetzt drei Mitarbeiter entlassen werden? Kann man nicht besser die Arbeitszeit der einzelnen Mitarbeiter um 2 Stunden täglich kürzen? Warum wird darüber nie gesprochen?

Es ist selbstverständlich das die Mitarbeiter entlassen werden. Wir sind schon so indoktriniert, das wir das einfach so hinnehmen. Wenn man darüber nachdenkt, erkennt man welche Möglichkeiten uns verwehrt werden.

Es ist dabei zu berücksichtigen, dass dieser Prozeß nicht über Nacht geschieht. Denn dann hören sich 2 Stunden täglich viel an. Da die Digitalisierung ein stetiger Prozess ist, hat man die 2 Stunden vielleicht erst in x Jahren erreicht. Also z.B. im ersten Jahr 15 Minuten tägliche Arbeitszeitverkürzung, dann 35 Minuten, nach drei Jahren vielleicht 50 Minuten und so weiter.

Privatbereich

Wenn man nach Zeitmanagement googelt erhält man mehr als 2,7 Millionen Treffer. Ist das nicht Wahnsinn? Warum müssen wir unsere Zeit managen? Wie an den paar Beispielen oben gezeigt, müssten wir doch mehr als genug Zeit haben! Bevor wir dem nächsten „mehr“, dem nächsten „neuem“, dem nächsten „besseren“, dem nächsten „schöneren“, dem nächsten „einfacheren“ und was uns die Werbeindustrie noch alles verspricht hinterher rennen, einfach einmal den Kopf einschalten und sich dem Konsumzwang etwas entledigen.

Fazit

Kann es sein das die Zeitersparniss irgendwie nie bei dem Bürger landet? Einerseits landet sie durch die höherer Produktivität durch gesteigerte Gewinne in der Wirtschaft, um so bei den Banken, Versicherungen, Hedgefonds, usw. damit diese noch mehr Geld verdienen.

Andererseits sollten wir aufhören den Versprechungen zu glauben, dass wir nur noch dies und das brauchen, z.b. 5G, dann geht es allen besser?

Wir sollten dringend darüber nachdenken, nicht nur immer den neuen Konsumverlockungen nachzujagen und so jeglichen Zeitgewinn sofort wieder zunichte zu machen? Oder haben wir keine Zeit zum denken?

Wieviel Zeit müssen wir noch sparen, um endlich Zeit zu haben?

Nutze deinen Kopf / Laß nicht Andere für Dich denken

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